Fünf Gründe für eine Biographie

1. Deinen Schatz übergeben

»Ich bedauere, dass ich eigentlich nichts über meine Eltern weiß. Deshalb ist es mir ein Anliegen, meine Geschichte für meine Kinder und Enkel aufzuschreiben.« Dieser Motivation begegne ich als Biograph sehr häufig. Die Erfahrungen und Geschichten der Vorfahren sind ein wesentliches Element der Identitätsbildung. Eine Bereicherung, über die man sich freut und die sehr viel erklärt.

2. Deine Version erzählen

»Er war stets bemühtOb wir es wollen oder nicht, wir werden von außen beurteilt. Deshalb gewinnst du mit der Niederschrift deiner Geschichte Deutungshoheit über dein Leben. Es kann ja sein, dass man dich für egoistisch, leichtsinnig oder unfähig hält. Doch nur du kennst deine wahre Motivation. Vielleicht verbirgt sich hinter dem vermeintlichen Egoismus der Wunsch eine Existenzgrundlage für deine Familie zu schaffen. 

3. Dein Leben wertschätzen

»Ich dachte immer, mein Leben sei langweilig und von keinem besonderen Interesse, bis ich beim Erzählen feststellte, dass es alles andere als langweilig gewesen ist.« Viele Menschen, die etwas zu erzählen haben, tendieren dazu, ihre Geschichte für nicht der Rede wert zu halten. Erst, wenn sie sich vergegenwärtigen, was im Laufe der Jahre alles passiert ist, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Schon der Prozess des Erinnerns und Erzählens ist eine Bereicherung. Endlich versteht man, wie eins zum anderen gekommen und der Baum der Lebensgeschichte mit seinen Möglichkeiten und Entscheidungen von Jahr zu Jahr gewachsen ist. 

4. Perspektiven gewinnen

»Jetzt erkenne ich den roten Faden und weiß, was ich auf jeden Fall noch machen möchte.« Das Leben ist voller Umleitungen und Umwege. Wichtig ist, dass wir eines Tages erkennen, was uns immer angetrieben hat und wohin wir eigentlich streben. Dann brauchen wir nicht mehr lange überlegen, was zu tun ist. Oder um mit Konfuzius zu sprechen: »Wähle einen Beruf, den du liebst und du brauchst keinen Tag mehr zu arbeiten.« 

5. Zeuge einer verlorenen Zeit sein

»Meine Enkel denken, ohne Smartphones hätten wir auf den Bäumen gelebt. Haben wir auch. Wir waren immer draußen und konnten machen, was wir wollten.“ Vielleicht ist es nicht unser Verdienst, aber wir hatten das Privileg, in zwei Welten leben zu dürfen, in der analogen und der digitalen. Welcher Digital-Native kann sich heute noch vorstellen, lediglich mit einer Landkarte durch die Welt zu reisen, von Westdeutschland nach Westberlin zu trampen, von Telefonzellen aus zu telefonieren und auf den Sendebeginn auf einem der beiden Fernsehkanäle zu warten. Das Leben war aus heutiger Sicht abenteuerlich, aber auch echt und oftmals schön. Allein aus diesem Blick in eine zurückliegende Epoche ergeben sich 1.000 und mehr erzählenswerte Geschichten. 

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit